Veröffentlicht am
10.09.2026

Seitliche Hüftschmerzen: Schleimbeutel oder Glutealsehne?

Seitliche Hüftschmerzen werden häufig schnell als Schleimbeutelentzündung bezeichnet.

Oft liegt bereits ein MRT-Befund vor, in dem genau das beschrieben wird. Und nicht selten bleibt es dann auch bei dieser Erklärung.

Das Problem dabei: Seitliche Hüftschmerzen sind häufig komplexer. Neben dem Schleimbeutel spielen in diesem Bereich sehr oft auch die Glutealsehnen eine wichtige Rolle.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich daraus unterschiedliche therapeutische Schwerpunkte ergeben können.

Wenn im MRT nur vom Schleimbeutel die Rede ist

Viele Patienten kommen mit der Aussage zu uns: „Im MRT wurde eine Schleimbeutelentzündung festgestellt.“

Das kann durchaus relevant sein. Gerade bei seitlichen Hüftschmerzen lohnt es sich aber, genauer hinzuschauen.

Denn eine zweite Struktur, die in diesem Bereich häufig Beschwerden macht, sind die Glutealsehnen – also die Sehnen der seitlichen Gesäßmuskulatur.

Schleimbeutel und Glutealsehnen liegen nah beieinander und können Schmerzen an einer sehr ähnlichen Stelle verursachen.

Deshalb reicht es nicht, nur den Bildbefund zu lesen. Uns interessiert immer:

·       Wo genau sitzt der Schmerz?

·       Wann tritt er auf?

·       Wie reagiert die Hüfte auf Belastung?

·       Welche Bewegungen provozieren die Beschwerden?

·       Und passt der Befund wirklich zu der individuellen Symptomatik?

Welche Strukturen liegen seitlich an der Hüfte?

Seitlich an der Hüfte treffen mehrere wichtige Strukturen aufeinander. Dazu gehören unter anderem:

·       die Gluteus-medius- und Gluteus-minimus-Muskulatur

·       deren Glutealsehnen

·       der große Rollhügel des Oberschenkelknochens (Trochanter major)

·       Schleimbeutel in diesem Bereich

·       sowie weitere umliegende Strukturen wie der Tractus iliotibialis

Abbildung: Seitliche Hüfte mit Glutealmuskulatur, Glutealsehnen, Trochanter major und Schleimbeutel.

Gerade weil diese Strukturen so nah beieinander liegen, können Schmerzen an der Außenseite der Hüfte aus unterschiedlichen Gründen entstehen.

Ist wirklich immer der Schleimbeutel entzündet?

Nein. Genau hier hilft ein Blick in die Forschung.

In einer Ultraschallstudie mit 877 Patienten mit seitlichen Hüftschmerzen hatten rund 80 Prozent keine nachweisbare Bursitis. Dagegen zeigte etwa die Hälfte Veränderungen der Glutealsehnen im Sinne einer Tendinose.

Eine Schleimbeutelreizung kann beteiligt sein. Seitliche Hüftschmerzen sollten aber nicht automatisch auf den Schleimbeutel reduziert werden.

Das ist auch therapeutisch wichtig: Wenn die Glutealsehne eine zentrale Rolle spielt und nur die vermeintliche Entzündung behandelt wird, fehlt möglicherweise der entscheidende Teil der Rehabilitation.

Woran kann man erkennen, ob die Glutealsehnen beteiligt sind?

Wenn die Glutealsehnen gereizt sind, können sie Schmerzen fast an derselben Stelle verursachen wie ein Schleimbeutelproblem.

Deshalb betrachten wir die Anamnese und kombinieren sie mit gezielten klinischen Tests.

Typische Hinweise können zum Beispiel sein:

·       Schmerzen außen an der Hüfte

·       Druckschmerz am großen Rollhügel beziehungsweise an den Sehnenansätzen

·       Beschwerden beim Liegen auf der betroffenen Seite

·       Schmerzen beim Gehen, Laufen oder Treppensteigen

·       Beschwerden bei einbeiniger Belastung

·       Schmerz bei bestimmten Widerstandstests, zum Beispiel beim Abspreizen des Beines

Ein einzelner Test beweist noch keine Diagnose. Die Kombination aus Beschwerden, Druckschmerz und belastenden beziehungsweise widerstandsgebenden Tests kann die klinische Einschätzung aber deutlich verbessern.

Warum Pause bei einer Sehnenreizung langfristig nicht reicht

Wenn eine Sehne auf Belastung reagiert, war die Belastungsanforderung für ihre aktuelle Kapazität häufig zu hoch.

Kurzfristige Entlastung kann sinnvoll sein, um eine deutlich gereizte Situation zu beruhigen. Wenn du aber nur pausierst und danach wieder mit derselben Belastung einsteigst, wurde die Belastbarkeit der Sehne dadurch noch nicht automatisch verbessert.

Langfristig braucht eine Sehne nicht dauerhaft weniger Belastung, sondern die passende Belastung in einer sinnvollen Progression.

Das Ziel ist deshalb nicht nur, Schmerzen zu vermeiden. Das Ziel ist, die Belastungskapazität Schritt für Schritt wieder aufzubauen.

Was hilft bei einer Glutealsehnenreizung?

Die konservative Behandlung besteht vor allem aus zwei Bausteinen:

1. Belastung zunächst sinnvoll steuern

Am Anfang kann es sinnvoll sein, Belastungen zu reduzieren oder zu verändern, die den Schmerz immer wieder stark provozieren.

Dabei geht es nicht automatisch um komplette Schonung. Vielmehr suchen wir ein Belastungsniveau, das die Beschwerden nicht ständig eskalieren lässt und trotzdem Bewegung ermöglicht.

2. Die Belastungskapazität gezielt erhöhen

Danach wird die Belastung progressiv aufgebaut.

Isometrische Übungen können je nach Reizbarkeit ein sinnvoller Einstieg sein. Im weiteren Verlauf werden in der Regel zunehmend kräftigere und funktionellere Belastungen eingesetzt.

Entscheidend ist nicht eine bestimmte 'magische' Übung, sondern dass die Belastung zu deinem aktuellen Zustand passt und mit der Zeit sinnvoll gesteigert wird.

Eine bekannte randomisierte Studie zur Glutealsehnentendinopathie zeigte, dass eine Kombination aus Education zur Belastungssteuerung und gezieltem Training nach acht Wochen bessere globale Ergebnisse erzielte als eine Kortisoninjektion oder reines Abwarten. Auch nach einem Jahr war die berichtete globale Verbesserung in der Education-und-Exercise-Gruppe höher als nach Kortison.

Ein systematischer Review aus dem Jahr 2024 unterstützt grundsätzlich den Einsatz übungsbasierter Interventionen für Funktion und Behandlungserfolg, weist aber auch darauf hin, dass die Evidenzqualität insgesamt noch begrenzt ist.

Warum wurde die Sehne überhaupt überlastet?

Für uns ist das eine wichtige zweite Frage.

Wir wollen nicht nur die schmerzhafte Struktur kräftigen, sondern verstehen, warum an dieser Stelle möglicherweise zu viel Belastung angekommen ist.

Dazu schauen wir uns unter anderem an, wie Kraft und Bewegung im gesamten Bein verteilt werden und wie gut verschiedene Muskelgruppen bei den relevanten Bewegungen zusammenarbeiten.

Mögliche Fragen sind:

·       Gibt es relevante Kraftdefizite?

·       Wie wird die Belastung über Fuß, Bein, Hüfte und Becken weitergeleitet?

·       Wie funktioniert die neuromuskuläre Kontrolle bei einbeiniger Belastung?

·       Welche Bewegung oder Trainingsform provoziert die Beschwerden?

·       Und welche Belastung verlangt dein eigentliches Ziel?

Es geht deshalb nicht nur darum, 'den Gluteus zu stärken'. Entscheidend ist, welche Fähigkeiten für dein individuelles Problem und dein Ziel tatsächlich fehlen.

Nicht jeder seitliche Hüftschmerz ist eine strukturelle Sehnenverletzung

Wir sehen außerdem immer wieder Patienten, deren Beschwerden zunächst ähnlich aussehen wie eine Glutealsehnenproblematik oder Bursitis, sich klinisch aber nicht vollständig damit erklären lassen.

In solchen Situationen können Bewegungssteuerung, Muskeltonus, Belastungsverteilung oder andere funktionelle Faktoren eine Rolle spielen.

Wenn sich der bekannte Schmerz durch gezielte Veränderung einer Bewegung, Muskelaktivität oder Belastung direkt beeinflussen lässt, ist das eine wichtige klinische Information.

Das bedeutet nicht, dass dadurch automatisch bewiesen ist, dass keine strukturelle Veränderung vorhanden ist. Es zeigt aber, dass Funktion und Belastung ebenfalls Teil der Erklärung sein können.

Wann solltest du die Beschwerden genauer untersuchen lassen?

Wenn seitliche Hüftschmerzen immer wiederkommen oder dich bei Sport, Alltag oder Schlaf deutlich einschränken, lohnt sich eine genauere Untersuchung.

Vor allem dann, wenn:

·       du schon länger pausiert oder geschont hast, ohne dass es dauerhaft besser wird

·       die Schmerzen bei Belastung immer wieder an derselben Stelle auftreten

·       Liegen auf der Seite, Laufen, Treppensteigen oder längeres Gehen Probleme machen

·       du mit allgemeinen Übungen nicht weiterkommst

·       oder unklar ist, ob Schleimbeutel, Glutealsehnen oder andere Faktoren im Vordergrund stehen

Das eigentliche Ziel: wieder belastbar werden

Wie bei vielen anderen Beschwerden ist auch hier Schmerzfreiheit allein nicht immer das vollständige Ziel.

Vielleicht möchtest du wieder auf der Seite schlafen. Vielleicht möchtest du zehn Kilometer laufen, wandern, Krafttraining machen oder wieder voll in deinen Sport zurück.

Dieses Ziel entscheidet darüber, welche Belastbarkeit du am Ende wirklich brauchst.

Genau deshalb denken wir bei Therapie.Welt nicht nur in Diagnosen. Wir definieren gemeinsam deine persönliche Definition of Success und leiten daraus ab, welche Fähigkeiten und Belastungen deine Hüfte wieder bewältigen muss.

Das Ziel ist nicht nur, dass die Außenseite deiner Hüfte weniger weh tut. Sie soll wieder das leisten können, was dir wichtig ist.

Fazit

Seitliche Hüftschmerzen sind nicht automatisch nur eine Schleimbeutelentzündung.

Sehr häufig spielen auch die Glutealsehnen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig sollte weder ein MRT-Befund noch ein einzelner klinischer Test isoliert betrachtet werden.

Entscheidend ist die Kombination aus Beschwerden, Untersuchung, Belastungsreaktion und deinem persönlichen Ziel.

So lässt sich entscheiden, ob zunächst Belastung angepasst, die Sehne progressiv belastbarer gemacht oder zusätzlich an Kraft, Bewegungskontrolle und Belastungsverteilung gearbeitet werden sollte.

Quellen

Long SS, Surrey DE, Nazarian LN. Sonography of greater trochanteric pain syndrome and the rarity of primary bursitis. AJR Am J Roentgenol. 2013;201(5):1083-1086. Quelle

Grimaldi A, Mellor R, Nicolson P, et al. Utility of clinical tests to diagnose MRI-confirmed gluteal tendinopathy in patients presenting with lateral hip pain. Br J Sports Med. 2017;51(6):519-524. Quelle

Mellor R, Bennell K, Grimaldi A, et al. Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy. BMJ. 2018;361:k1662. Quelle

Patricio Cordeiro TT, Rocha EAB, Scattone Silva R. Effects of exercise-based interventions on gluteal tendinopathy. Systematic review with meta-analysis. Sci Rep. 2024;14:3343. Quelle

Folge uns auf Social Media

Das sagen Patienten über uns

5.0
aus
75
Bewertungen

Tolles & kompetentes Praxisteam! Ich war wegen eines Bandscheibenvorfalls dort und kann TherapieWelt absolut empfehlen. Danke!

Alex T.
April 22, 2026

Gut organisiert, fachlich sehr kompetent, räumlich gut ausgestattet, Nähe U Bahn, angenehme Atmosphäre

Birgit Thissen
April 17, 2026

Kompetente und herzliche Betreuung! Ich würde sie in jedem Fall wieder für eine Behandlung wählen. Vielen Dank!

robert hoffmann
April 15, 2026

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Donec eu ante vel massa blandit lobortis. Phasellus elit nibh, condimentum egestas mi vel, ullamcorper malesuada mauris

Customer Name
0 days ago

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Donec eu ante vel massa blandit lobortis. Phasellus elit nibh, condimentum egestas mi vel, ullamcorper malesuada mauris

Customer Name
0 days ago

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Donec eu ante vel massa blandit lobortis. Phasellus elit nibh, condimentum egestas mi vel, ullamcorper malesuada mauris

Customer Name
0 days ago

Jetzt Termin buchen

Lassen uns gemeinsam an deiner Gesundheit arbeiten. Vereinbare jetzt einen Termin für eine individuelle Beratung zur Physiotherapie.